laden

Ich muss meistens Spätschicht machen. Von Montag bis Mittwoch bis 20.30 Uhr und die restliche Woche bis 21.30 Uhr. Je später es wird, desto weniger Kundschaft. Ich arbeite in diesem kleinen, feinen Buchladen jetzt schon einen Monat. Man beobachtet und schnell wird vieles zur Gewohnheit.

Bevor ich zur Arbeit gehe, hole ich mir meistens Schokoladenbrownies mit Sahnefüllung von real. Sobald nichts mehr im Laden los ist, schnappe ich mir ein Buch, begebe mich wieder hinter die Kasse oder setze mich auf die Leseinsel, und beginne vor mich hin zu lesen. Derzeit lese ich ein Fearstreet-Buch ‚Tödliche Botschaft‘. Der Lärmpegel macht es einem nicht immer leicht, in dieser riesen Einkaufsgalerie in Ruhe zu lesen. Gleich vor dem Geschäft ist das Kinderspielland. Dann dreht der HandyShop neben uns auch gerne mal die Musik lauter. Allgemein ist es dort ziehmlich laut. Aber dies ist auch eine Sache der Gewöhnung.

Während ich aus Langerweile Bücher lese, geht die Dame aus dem Fotogeschäft, ihre Nachbarn besuchen. Der Schuster tut es ihr gleich, oder spielt mit dem Angestellten des Handygeschäftes Ballspiele mit Hilfe von Tischtennisbällen. Die Friseure feiern der Ladenschließung meist mit etwas Sekt von real entgegen und wenn die Angestellten von McPaper und dem Modegeschäft schon im Ladeneingang stehen und langsam beginnen mit den Hüften zu kreisen, weiß ich, dass endlich zu gemacht werden kann. Und im Handyladen wird zum Feierabend Technomusik aufgelegt und laut gedreht. Das bringt einen in Partystimmung.

Mit viel Schwung befördere ich die 11 Glasscheiben an ihren Platz und verankere sie mit einem Tritt im Boden, jede einzelnd. Anschließend mache ich den Tagesabschluss und hüpfe aus dem Geschäft. Oft sind noch die Handwerker und Wachmänner im Haus. So langsam funkelt der Laden in gold und silber. Und überall stehen schon Weihnachtsbäume…

Vielleicht folgt irgendwann mal eine Fortsetzung.

smiler

Advertisements