Die Heimreise Samstag war schon wesentlich interessanter. Bei Kassel hatte ich 20 min Aufenthalt. Ich besuchte McDonald und kaufte mir etwas für die lange Reise, die ich noch vor mir hatte. Als ich zum passenden Gleis kam, war der Zug auch schon da. Hm… in welche Richtung fährt der Zug? Ich mag es nicht längere Strecken mit dem Rücken zur Fahrtrichtung zu sitzen. Juhu, ein 4er war noch frei. Dort nahm ich Platz. Ich machte mich breit. Der Zug fuhr los, rückwärts. Ich setzte mich schnell um. Von schräg gegenüber lächelte mich ein ca. mitte 40-jähriger, Sonnenbank-gebräunter Herr mit pinkem Hemd und hellgrün kariertem Anzug verführerisch an. Mir blieben die Pommes im Halse stecken und ich vergrub mich so gut es ging hinter meiner Mecces-Tüte. Der Herr gab nicht auf und versuchte weiterhin mit mir in Unterhaltung zu kommen und mir Flirts zu signalisieren. Mein neuer afroamerikanischer Freund von gegenüber sah mich bemittleident an. Welch ein Glück das der Zug am nächsten Bahnhof die Richtung änderte.

Ich war froh als ich aus dem Zug raus war. Ab in den nächsten. Es war laut. Gebrülle. Ich konzentrierte mich jedoch erst mal einen Sitzplatz zu finden. Gleich neben der Tür ’n ganzer 4er frei. Bei überfülltem Zug. Welch ein Glück. Ich setzte mich. Ein paar Sekunden später merkte ich, dass dies eine Fehlentscheidung war. Gegenüber saßen zwei Männer mitte 30. Sturz besoffen! Ich frag mich ja, wie man um 21. 00 Uhr schon so besoffen sein kann. Sie pöbelten alle die vorbeigingen an. Ich verstöpselte mich mit meinem iPod, um zu signalisieren ‚Ich hör dich eh nicht!‘. Aber die Musik ließ ich aus, um mitzuhören. Einer der zwei Kerle war der Lautstarke der alle anpöbelte, der andere sagte selten was und schien nicht nur wegen dem Alkohol, geistig nicht ganz in Takt zu sein. Das schlimmste an der ganzen Sache war ja, dass hinter den Kerlen vier Mädels Anfang 30 saßen, die sich einen Spaß draus machten, die Typen zu provozieren. Doch irgendwann wurde es auch den Damen zu bunt. Doch da war es schon zu spät. Es flogen Kommentare wie: ‚Du siehst aus als hättest du Gebärmutterkrebs!‘, ‚Ich bin Alf und komme aus dem All‘ … etc. Die Mädels waren wütend und fingen an mit dreckigen Taschebtüchern und PET-Flaschen zu werfen….

Endlich wieder in Altenbecken…raus…aber schnell. Die Mädchen folgten mir. Der Zug hatte hier ein paar Minuten aufenthalt. Der geprächige Besoffene kam an die Tür und schrie dem Weibern hinter her. Die Mädels gingen wieder zur Tür. Als die letzte von den vieren sich abwandte, warf der Kerl eine halbvolle Bierbüchse nach ihr und traf sie am Hinterkopf. Die Frauen verwandelten sich sinnbildlich in Furien. Die eine stürzte auf den Angreifer, der zurück in den Zug sprang, sie hinterher. Eine andere rannte zum, so gut wie unverteidigten, Nest der Bösewichte und klaute ihnen ihren Rucksack mit Biervorräten. Und rannte aus dem Zug. Sie schmiss den Rucksack zwischen Gleis und Zug. Der Zweitbesoffene ging ihr hinterher, traute sich aber nicht etwas zu tun. Er rief zu seinem verfolgten Freund, der nun am anderen Ende des Wagons in der Tür stand. Dieser wieß ihn an wieder in den Zug zu steigen, die Tasche wäre egal. Kurze Zeit später traten beide aus dem Zug, hatten wohl doch beschlossen den nächsten zu nehmen. Sie standen weit weg von den Frauen. Dem vorlauten Mann viel auf das was fehlte und kommandierte seinen Freund erneut in den Zug, dieser kam mit einem Fahrrad heraus. Wie kann man das Fahrrad vergessen?

Die hübscheste der Damen hatte sich an einen großen jungen Sportler rangemacht. Das Weiberrudel suchte bei ihrem Alfa-Frauchen und ihrem ausnutzbaren Fang Schutz. Die Betrunkenen redeten halb laut und gaben nicht auf. Ich verfolgte das ganze von der Bank aus. Und unterhielt mich über das Ereignis mit meinem hinter mir stehenden afroamerikanischen Freund, der die gleiche Zugstrecke hatte wie ich. Jedoch konnte ich ihn sehr schwer verstehen, da er nicht richtig Deutsch konnte. Aber ich fänds unhöflich immer wieder nach zu fragen, also nahm ich die Verwechslungen in Kauf.

Neben mir saß schon die ganze Zeit ein Asiate in meinem Alter. Lieb, brav und leise. Mit Stöpsel im Ohr. Total normal. Ich vernahm eine leise Stimme. Ich drehte mich zu ihm. Er sang. Leise und schief. Er starrte mich an. Ich sah wieder weg. Und nach einem Moment wieder hin. Er starrte weiterhin. Seine Stimme wurde lauter und er jaulte ‚Because I loooove u‘. Ich nahm langsam meine Sachen, stand auf und stellte mich 3 Meter neben die Bank. Der Asiate hatte auch Gepäck. Eine Plastiktüte mit Loch, aus dem ein Zapfhahn raus schaute und einen Keramikpott. Sein Blick folgte mir. Und er versuchte mich noch des öftern mit seinem Liebesgesang zu bezirzen. Ich dachte mir nur immer wieder: ‚Hilfe ich will hier weg!‘.

Ansonsten war nichts spektakuläres, außer ein paar besoffene BVB-Fans. Aber für eine Zugfahrt hats mir schon gereicht!

Advertisements